Sion - Kulturzentrum der französischen Schweiz
Wein und Kultur – eine schöne Kombination, finden wir zumindest, und fühlen uns deshalb im schweizerischen Sion, zu Deutsch Sitten, auch pudelwohl.
Der Ort gilt als das Kulturzentrum der französischen Schweiz und belegt diesen Titel mit den Tibor Varga-Festspielen, einem Jazzfestival, mehreren
Freiluftveranstaltungen über das ganze Jahr und einer Vielzahl von Museen, darunter das Naturhistorische Museum und das Musée de Valère, in dem unter
anderem Möbel und Waffen zu sehen sind. Die Kultur wird in Sion ergänzt durch den Weinbau. Die drittgrößte Anbaufläche für Wein in der Schweiz kann
die Hauptstadt des Wallis aufweisen und verwöhnt damit nicht nur Kulturfreunde, sondern auch Genießer edler Tropfen wie dem weißen Fendant oder dem
roten Pinot Noir.
Ganz gleich, wo wir in Sion Spazieren gehen, die beiden Hügel, die den 28.000 Einwohner zählenden Ort überragen, sind fast überall zu sehen. Auf dem einen
ist die die Festung Tourbillon, auf dem anderen die Kirchenburg Valère zu sehen. Beide wollen wir heute erkunden. Als erstes wollen wir auf den Tourbillon.
655 Meter ragt er nach oben. Wer meint, hier nur die Ruine des Schlosses aus dem 13. Jahrhundert sehen zu können, in dem einst die Bischöfe lebten, irrt.
Denn der Weg nach oben lohnt sich schon alleine des herrlichen Ausblickes wegen, der sich uns bietet. Wir sehen auf Sion, haben einen wunderbaren
Blick auf die Weinberge und die umliegende Landschaft.
Wieder unten angelangt, gehen wir durch die Senke zwischen den beiden Hügeln, wo sich auch ein kostenpflichtiger Parkplatz befindet, weiter zum
südlichen Hügel, dem Valeria. Er ist mit 621 Meter nicht ganz so hoch, doch auch von hier aus bietet sich der schöne Panoramablick. Auf dem Valeria
befindet sich die berühmte Basilika. Die Ursprünge der Burg und der Kirche gehen bis auf die Kelten zurück. 1049 schließlich werden beide Bauwerke
auch in den Urkunden namentlich erwähnt. Der Name Valeria, erfahren wir, wurde von Titus Campanius Priscus Maximianus geprägt, dessen Mutter
Valeriana hieß.
Die Basilika von Valeria stammt zum Teil noch aus dem 12. Jahrhundert und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgebaut. Den Ehrentitel
als Basilika erhielt sie 1987 durch Papst Johannes Paul II. Der eigentliche Schatz der Kirche, neben der Marmorstatue mit Madonna und Jesuskind aus
dem 15. Jahrhundert, ist die Orgel. Wir müssen nach oben gucken, um die ganze Pracht der 1435 erbauten Orgel bewundern zu können.
Als Schwalbennestorgel konzipiert, hängt sie an der Westwand. Zu sehen sind von unten nur wenige der insgesamt 376 Pfeifen der ältesten spielbaren
Orgel der Welt. Von den gotischen Pfeifen sollen jedoch nur noch zwölf vorhanden sein. Auffallend sind die Bilder, die sich rechts und links an die
Orgelpfeifen anschließen. Auch das Manual an sich ist mit sehr feinen Verzierungen versehen und wäre beinahe in Vergessenheit geraten. Erst um
1950 hat Konservator Maurice Wenger dem Kunstwerk wieder Leben eingehaucht. Zum Festival der Orgel erklingt das wunderschöne Instrument nun jedes Jahr.