Die Fraumünster-Kirche in Zürich
Wie ein großer Zeigefinger ragt der Turm der Fraumünster-Kirche in Zürich nach oben. Er dient beinahe schon als Wegweiser und ist mit seiner hellen, grünen Patina kaum zu übersehen. Schließlich handelt
es sich bei der Kirche um das Wahrzeichen der Stadt. Im Moment haben noch Handwerker das Sagen in der im 9. Jahrhundert erbauten Kirche, die einst zum Kloster Fraumünster, einem
Benediktinerinnen-Stift, gehörte. Seit April 2006 dauern die Bauarbeiten bereits an. Ob das Gotteshaus zum Advent wieder als solches genutzt werden kann, steht leider noch nicht fest. Es kann,
so die Informationen, auch bis Ostern 2007 dauern, ehe sich die Pforten der Kirche der kleinsten evangelisch-reformierten Kirchgemeinde in Zürich wieder öffnen. Wer die Möglichkeit hat, die
Fraumünster-Kirche zu besuchen, sollte sich wahrnehmen.
Von außen mag der hoch aufragende Turm das spektakulärste an dem Bauwerk sein. Es reicht allerdings, wenige Schritte durch das
Hauptportal zu gehen, um die Schätze der Kirche zu entdecken. Es sind große, farbenfrohe Fenster, geschaffen von Marc Chagall und Augusto Giacometti. Sie stehen in einem deutlichen Kontrast
zum sonst eher schlicht gehaltenen Inneren der Fraumünster-Kirche. Einfache Holzstühle mit geflochtenen Sitzflächen stehen in wenigen Reihen vor dem einfachen Altar, zu dem ein roter Teppich führt,
der die Kirche quasi teilt. An den Wänden sind einfache Lampen und Kerzenhalter montiert. Der Blick fällt in der Kirche sofort auf den romanischen Chor, der 18 Meter hoch ist. Hier sind drei der
Glasfenster zu sehen. Ansonsten gibt es keine Verzierungen, die vom dem Lichtspiel der Glaskunst ablenken würden. Viele sprechen von einem „magischen“ Ort, der eine enorme Ruhe ausstrahlt.
Die Kirche lädt geradezu ein, sich einfach auf einen der Stühle zu setzen und sich die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Glasfenster anzusehen.
Sie sind in leuchtenden Farben gehalten und erzählen kleine Geschichten aus der Bibel. Das Propheten-Fenster beispielsweise leuchtet in der Nachmittagssonne blutrot und zeigt Elischa wie er die
Himmelfahrt von Elijas in einem Flammenwagen
beobachtet. Auf den anderen Fenstern sind Jesaja, Engel, König David und der Baum des Lebens dargestellt. In Blau, Rot, Gelb und Grün erstrahlen die kunstvoll zusammengesetzten Scheiben.
Schade nur, dass an diesem Tag die Orgel stumm blieb. Mit ihren 5793 Pfeifen ist sie die größte Orgel des Kantons und würde mit ihrem Klang das Spiel der Sonnenstrahlen noch unterstreichen.